Projekt #22: malatsion
06. Dezember - 22. Februar 2025

Blick in die Ausstellung



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Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung

Projekt #22: malatsion

Herzliche Einladung zum Nachmitttag der offenen Tür im Projektraum am Sonntag, 7. Dezember, von 15 bis 18 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend.
Vom 6. Dezember 2025 bis zum 22. Februar 2026 präsentiert die DavisKlemmGallery im Projektraum in Hochheim eine neue Raum-Installation, die den Blick auf unsere mögliche Zukunft erweitert. Für Projekt #22 kombiniert die Künstlerin malatsion ihre fluoreszierende, pflanzenähnliche Silikonobjekte, die in Wasser schweben, mit Möbeln und erschafft so ein futuristisches Wohnzimmer. Die Installation stellt grundlegende Fragen: Wie werden wir in Zukunft leben? Welche Zukunft hat die Natur? Werden Pflanzen nur noch in künstlich erzeugten Lebensräumen existieren können? Oder schaffen wir neue Arten, die Ernährung, Klimaausgleich und Beleuchtung zugleich übernehmen?
Die Installation mit Schwarzlicht ist täglich beleuchtet zu folgenden Zeiten: 7 bis 10 Uhr, 11 bis 15 Uhr und 16 bis 22 Uhr.

DIE KÜNSTLERIN
malatsion (*1974) stammt aus Saint-Tropez, Frankreich. In Frankreich studierte sie Archäologie, Kunstgeschichte und freie Kunst – Beschäftigungsfelder, die man in ihren Werken wiederfindet. Seit 2004 lebt und arbeitet sie in Frankfurt am Main. Ihre Werke werden regelmäßig international ausgestellt. Ihre Arbeit wurde durch zahlreiche Stipendien gewürdigt und gefördert. Bis zum 30. Januar 2026 werden ihre Werke in der Oberfinanzdirektion in Frankfurt in der Ausstellung „The Dynamics of Becoming“ präsentiert.

MATERIAL UND HERSTELLUNG
Mit Silikon und Pigmenten hat malatsion neue „Wesen“ geschaffen, die in einer Flüssigkeit zu leben scheinen und ihren Wohnraum der Zukunft bevölkern. Um den Elementen ihr futuristisches Strahlen zu geben, hat die Künstlerin fluoreszierende Mittel beigemischt. Künstliche Pflanzen und Tiere, die nicht nur Nahrung und Atmosphäre schaffen, sondern dem Menschen auch als Nachtbeleuchtung dienen – ist das die Zukunft?Eigentlich ist dieses Leuchten sogar schon Gegenwart: es gibt in der Natur Pilze, Glühwürmchen, Fische und Quallen, die die Eigenschaft der Biolumineszenz in sich tragen und ihr eigenes Licht produzieren.
Die organischen Werke der Künstlerin entstehen in einem Prozess, der an präzise Laborarbeit erinnert. Sie entwickelt vielschichtige Formen, deren Farbe, Transparenz und Textur sorgfältig erprobt werden, sodass sie wie natürlich gewachsen wirken und zugleich etwas Futuristisches ausstrahlen.
Und was wäre ein Wohnraum ohne Möbel? Für Projekt #22 hat malatsion einen wahren Designklassiker ausgesucht: den „Bubble Chair“. 1968 vom finnischen Designer Eero Aarnio (1932 in Helsinki geboren) entworfen, prägte u.a. dieser Stuhl den Stil des „Weltraumzeitalters“ der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der futuristisch aussehende Stuhl kapselt den Sitzenden durch seine runde Form ab und erzeugt einen neuen kleinen Raum – oder um mit dem Titel des Stuhls zu sprechen: eine eigene Blase. Gleichzeitig sorgt das transparente Material für freie Sicht. Wie ein Astronaut sitzt/schwebt man schwerelos im Raum.

DIE INSTALLATION
Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir leben? Was werden wir essen? Wie wird unsere Umgebung aussehen? malatsions Raum-Installation gibt dazu einen futuristischen Denkanstoß. Die Künstlerin fragt nach unserem Verhältnis zur Natur und zum „Natürlichen“. Wird es Pflanzen vielleicht nur noch in künstlichen, von Menschen geschaffenen Umgebungen geben, da sie klimabedingt anders nicht mehr überleben können? Oder schaffen Menschen neue Pflanzenarten, die essbar sind, gut aussehen und zugleich Luftverschmutzung sowie Temperaturschwankungen ausgleichen? Vielleicht könnten sie sogar als Beleuchtung dienen und stromintensive Straßen- oder Parklampen ersetzen. Oder sind sie eher Haustiere, die der wachsenden Einsamkeit entgegenwirken?
Schon heute ist das, was wir als „Natur“ wahrnehmen, oft menschengemacht — von der Weinkultur über Naturschutzgebiete bis zur Flussrenaturierung. Hier existiert Natur „von Menschen Gnade“. malatsions Installation lädt dazu ein, diese Zukunftsbilder weiterzudenken – und zu fragen, welche Natur wir als Gesellschaft überhaupt wollen.

DAS AUDIO
Zur Installation gehört eine Audiospur, die ein geflüstertes Gedicht enthält: „Manifest der endokrinen Disruptoren“. Das Flüstern ergänzt eine unheimliche, bedrohliche Note zur Installation. Geschrieben ist das Manifest aus der Sicht von „endokrinen Disruptoren“, auch Xeno- oder Umwelthormone genannt. Diese sind chemische, hormonaktive Substanzen, die im menschlichen Körper das Hormonsystem stören und schädigen können. Sie kommen hauptsächlich in synthetisch hergestellten Produkten vor, z.B. in Pestiziden, Kunststoffen und in Lösemitteln. malatsion verweist mit dem Gedicht auf eine weitere Ebene, auf der menschlicher Einfluss bereits die Umwelt in unumkehrbarer Weise verändert.

DER RAUM
Der 20 m² große Raum, in dem früher Stifte und Schulhefte verkauft wurden, steht nun Künstler*innen der DavisKlemmGallery zur Verfügung. Anstelle begrenzter Öffnungszeiten ist der Raum jederzeit einsehbar: Eine große Fensterfront macht jedes Projekt sichtbar. So entstehen wechselnde Präsentationen, Installationen und Einblicke in künstlerische Prozesse. Die aktuelle Installation ist bis zum 22. Februar 2026 zu sehen. Die Installation mit Schwarzlicht ist täglich beleuchtet: 7 bis 10 Uhr, 11 bis 15 Uhr und 16 bis 22 Uhr. Projekt #22 wird bis 22. Februar 2026 zu sehen sein.
Ein großes Dankeschön an Doris Schoch und Mathias Krusius vom Raumausstatter „Lilasteckenpferd“ in Mainz-Gonsenheim für die Leihgabe des „Bubble Chairs“ und des gläsernen Servierwagens.